Wellis: glücklich und gesund

Der Wunsch nach einem Haustier ereilt viele Menschen; die Gründe dafür sind so vielfältig wie die Tierarten, die heute als Haustiere gehalten werden. Der Wellensittich zählt dabei noch immer zu den beliebtesten Tieren, die in deutschen Wohnzimmern leben. Der vermeintlich leicht zu haltende Vogel wird dabei leider sehr häufig unterschätzt und fristet dann ein nicht-artgerechtes Leben.

Traute Zweisamkeit …
Wellensittiche sind Schwarmtiere – “je mehr umso lustiger” könnte ihr Motto lauten. Als Halter muss man dabei jedoch die eigenen Kapazitäten, was Raum, Geld und Toleranz der Nachbarn angeht, im Auge behalten.
Die Paarhaltung ist jedoch Minimum. Am schönsten sind ein Hahn und eine Henne, doch auch zwei Hähne können harmonisch miteinander leben. Zwei Hennen hingegen beginnen oft miteinander zu konkurrieren und streiten um Futter, Sitzplätze und Spielzeug. Ein Minischwarm mit vier Tieren ist bereits eine sehr artgerechte Haltung, die auch dem Halter viel Freude bringt. Man sieht die Vögel in ihrem vollem Sozialspektrum und es kommt seltener zu Langeweile und Streitigkeiten. Achtet man zusätzlich darauf, dass die Tiere vom Alter und Temperament her zusammenpassen, so hat man bald viel Freude an einem harmonischen Schwarm.

Schöner wohnen …
Für ein Paar betragen die Mindestmaße eines Käfigs 0,80m x 0,50m bei 0,80m Höhe. Allerdings ist ein solcher Käfig nur Schlaf- und Futterplatz. Ohne ganztägigen Freiflug ist die Unterbringung in sogenannten Volieren notwendig, welche ausreichend Platz und Flugraum bieten müssen. Um dem Bewegungsdrang der Tiere gerecht zu werden, ist mehrstündiger Freiflug bei Tageslicht jedoch immer absolut notwendig.
Die Einrichtung des Käfigs sollte aus geeigneten Naturhölzern bestehen (Haselnuss, Obstbäume, etc.). Der Käfig muss eckig sein und die Gitterstäbe sollten optimalerweise waagerecht verlaufen, damit die Vögel klettern können. Runde Käfige sind tierschutzwidrig, da die Vögel sich nicht darin orientieren können. Edelstahlgitter bieten den besten Schutz vor Schwermetallvergiftungen. Preiswerter sind beschichtete Käfige. Hier muss jedoch unbedingt auf eine gute Qualität der Beschichtung geachtet werden. Haltbarkeit und Unbedenklichkeit hinsichtlich der Materialien werden durch seriöse Hersteller per Zertifikat bestätigt.
Alles, was mit Wasser in Berührung kommt, sollte täglich gründlich gereinigt werden. Daher ist es empfehlenswert, Wassernäpfe in doppelter Ausführung zu haben, so dass man beide abwechselnd verwenden kann. Während der Eine im Käfig hängt, kann der Andere nach Benutzung mit heißem Wasser ausgewaschen werden und bis zum nächsten Tag komplett durchtrocknen.
Der Käfig sollte an einem hellen, zugfreien Platz stehen. Zu viel Durchgangsverkehr kann die Tiere nervös machen. Ein etwas erhöhter Standort vermittelt den Wellensittichen hingegen Sicherheit.

Die Guten ins Kröpfchen …
Wellensittichfutter besteht aus Hirse, Kanariensaat (Glanzsaat) und optimalerweise Grassamen. Des Weiteren können z. B. Hafer, getrocknete Kräuter und diverse Wildsamen enthalten sein. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass der Anteil an ölhaltigen Sämereien nicht über 5% liegt.
Futter, das von Schädlingen oder Schimmelpilzen befallen ist, muss entsorgt werden. Gutes Futter riecht frisch und nicht muffig. Man erkennt mit einer Keimprobe (Anleitung wie Keimfutter) die Qualität. Keimen weniger als 70% der Körner sollte das Futter entsorgt werden. Es ist überlagert oder minderwertig und bietet dem Vogel zu wenig Inhaltsstoffe.
Gekeimtes Futter ist eine gute Ergänzung für den Speiseplan der Tiere und kleinere Portionen können durchaus mehrmals die Woche gereicht werden.

Herstellung des Keimfutters:
Um Keim- oder Quellfutter herzustellen, muss man die Körner zuerst gründlich waschen und dann, am besten über Nacht, in einem Gefäß mit Wasser bedeckt stehen lassen. Hierfür eignet sich entweder ein Plastiksieb, das mit den Körnern befüllt in eine Schale mit Wasser gehängt wird, oder ein Keimautomat/-glas.
Lässt man die gequollenen Körner antrocknen und verfüttert sie gleich, spricht man von Quellfutter.
Anschließend wird das Wasser abgegossen und die noch feuchten Körner werden für 24-48 Stunden keimen gelassen. Während dieser Zeit sollte man die Körner ab und zu durchspülen.
Anbieten kann man das Futter, wenn die ersten Keime gerade zu sehen sind, zu dieser Zeit sind die meisten Vitamine vorhanden. Oder man wartet, bis sie etwas größer geworden sind, je nachdem wie es die Vögel am liebsten mögen. Ab einer Länge von ca. 1 cm bilden sich im Keimling Bitterstoffe, dann fressen die Vögel das Futter meistens nicht mehr.
Zum Keimen eignen z. B. sich: Hirse, Kanariensaat, ungeschälter Hafer, Mungobohnen, Weizen, Dinkel, Gerste, Kamut.
Gras und Nackthafer eignen sich nicht.
Kräuter, frische Äste und Wildgräser mit Samenständen sowie Gemüse und gelegentlichen Gaben von Obst bereichern ebenfalls den Speiseplan der Tiere und runden eine gesunde vollwertige Ernährung ab. So sorgt man für das körperliche Wohl der gefiederten Lieblinge. Küchenkräuter wie Basilikum, Thymian und Oregano werden ebenso gern genommen wie deren wilden Verwandten: Vogelmiere, Hirtentäschel, Spitzwegerich und Löwenzahn.
Stangensellerie, Fenchel, Möhre, frischer Mais, Paprika und Gurke sind beliebte und gesunde Gemüsearten für den Wellensittich. Doch nicht alle Wellensittiche mögen Frischkost. Dann sollte der Gang zum vogelkundigen Tierarzt eine Alternative sein, um das Tier mit einem gutem, nicht zuckerhaltigem, Vitaminpräparat zu versorgen.
Damit die mechanische Verdauung im Muskelmagen des Wellensittichs unterstützt wird, benötigt er Grit. Dieser versorgt ihn nebenbei noch mit Mineralien und Spurenelementen – ebenso erreicht man dies durch Lehmsteine, Jodsteine, Mineralerde und Vogelkalk.

Gutes Wellensittichfutter enthält keine Zusatzstoffe. Dazu gehören die Bäckereierzeugnisse, d. h. die Reste, die eine Bäckerei nicht mehr zu Brot oder einem anderen Produkt verarbeiten kann. Hier ist oft Zucker oder auch Kochsalz enthalten, was für den Vogel schädlich ist. Bäckereierzeugnisse sind ebenso wie pflanzliche Nebenerzeugnisse (pflanzlicher Abfall, Stiele und Blätter) einfach nur billige Auffüller, aus denen der Vogel kaum Nährstoffe erhält.
Manche Futtersorten enthalten auch Molkereiprodukte. Den darin enthaltenen Milchzucker können Wellensittiche jedoch nicht verdauen, da ihnen das zuständige Enzym fehlt. Milchprodukte können daher, bis auf wenige Ausnahmen, sogar zu Durchfall führen und gehören nicht in eine Futtermischung.
Manchmal werden dem Futter auch kleine, bunt gefärbte Kügelchen zugesetzt, die die Wellensittiche angeblich mit allen Vitaminen versorgen. Dem ist aber nicht so, da die Vögel diese Kügelchen oft nicht fressen. Die beste Vitaminversorgung bietet Frischkost.
Damit die Körner schön glänzen, werden sie mit einer dünnen Ölschicht überzogen. Oft ist dem Futter auch Honig zugesetzt, der die Vögel aber dick machen kann.

Liebe geht durch den Magen …
Doch sehr oft sind die liebevoll gemeinten Leckereien für den Wellensittich schädlich. Von Knabberstangen, Knabberherzen und diversen „Perlen“ sollte man die Finger lassen. Die machen das Tier nur dick.
Hirsekolben, Haferrispen und selbstgebackene Wellikekse dürfen hin- und wieder auf dem Speiseplan stehen.

Keksrezept:
1 Ei
1 EL Weizenmehl Type 550 (gern auch Dinkelmehl Type 550)
225 g Körnerfutter
Zutaten vermischen – Körnermischung nach und nach unterheben. Auf Backpapier zu Keksen formen und bei 120 °C Umluft je nach Größe ca. 18-25 Minuten backen. Die Kekse sind fertig, wenn sie Farbe bekommen.
Mischt man getrocknete Kräuter unter, kann man die Kekse stets neu variieren und schafft zusätzlich Abwechselung.

Pick, pick, pick und noch ein Korn …
Da die Tiere in freier Wildbahn viel Zeit mit der Futtersuche verbringen, kann man auch aus der Futteraufnahme eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit kreieren:
Werden die Leckereien so angebracht, dass sich die Vögel anstrengen müssen, um sie zu erreichen, verbrauchen sie auch gleich wieder etwas Energie.

Vermischt man Grit und Futter mit Buchenholzgranulat (ist im Handel als Einstreu für Käfige zu bekommen) oder Heu und befüllt damit eine Schale, schafft man eine sogenannte „Pick- oder Buddelbox“. Hier halten sich die Vögel mit der Suche nach Futter und Grit auf und haben dabei viel Spaß und Bewegung.

Clevere Überflieger …
Wellensittiche sind sehr intelligente Tiere, die viel Zeit am Tag mit der Pflege der Sozialkontakte und des Gefieders verbringen. In Gefangenschaft kommt das Futter frei Haus, die so gewonnene Zeit will sinnvoll genutzt werden.
Die natürliche Fortbewegung des Wellensittichs ist das Fliegen, das muss auch in Gefangenschaft unbedingt möglich sein. Das Fliegen bringt dem Tier Spaß, entspricht seinem Naturell und hält es fit. Daher braucht man neben dem Käfig auch mindestens zwei Landemöglichkeiten, welche im Zimmer verteilt werden. So wird der Vogel animiert sich zu bewegen. Die Geschicklichkeit wird trainiert, indem man bewegliche Landeplätze schafft, z. B. durch die Aufhängung eines Astes von der Decke.
Das Wellizimmer muss vogelsicher gestaltet werden:
Offene Gefäße, Schrankspalten, offene Türen und Fenster, Fliegenfänger, giftige Pflanzen … um nur einige der möglichen Gefahrenquellen zu nennen. Bevor man seinen Wellensittichen Freiflug gewährt, muss das Zimmer auf eventuelle Gefahrenquellen abgesucht werden und diese müssen beseitigt werden.

Neben den Muskeln sollte auch das Gehirn gefordert werden. So kann man Kolbenhirse so aufhängen, dass sie nur schwer erreichbar ist, der Wellensittich muss überlegen, wie er an die beliebte Nascherei herankommt.
Im Handel gibt es unzählige Spielsachen für den Wellensittich. Doch manche schaden ihm. Dazu zählen vor allem der Spiegel und der Plastikkumpel. Der Vogel füttert diese Spielsachen. Das Futter wird jedoch nicht angenommen, durch ständiges Hochwürgen und Schlucken der Körner können die Tiere an einer Entzündung des Kropfes erkranken, welche schlimmstenfalls zum Tode führt.

Sinnvolle Spielzeuge sind auch Korkröhren, die besonders den Hennen entgegenkommen, da sie ihren natürlichen Nagetrieb ausleben können.

Der Doktor und das liebe Vieh …
Es ist sehr wichtig, sich bereits vor der Anschaffung der Wellensittiche nach einem vogelkundigen Tierarzt umzusehen. Sollte ein weiter Anfahrtsweg bestehen, so kann unter diesem Aspekt die Erstanschaffung von Wellensittichen nochmals überdacht werden. Denn ein weiter Weg kostet Geld, Zeit und muss organisiert werden.
Sind die Wellensittiche dann eingezogen, erspart es im Krankheitsfall kostbare Zeit, wenn bereits eine gute Tierarztadresse bekannt ist. Im Idealfall findet man einen Tierarzt mit der Zusatzausbildung für Ziervögel oder eine Tierklinik mit der entsprechenden Spezialisierung. Leider gibt es deutschlandweit nur wenige dieser Spezialisten und viele Vogelhalter nehmen daher lange Anfahrtswege in Kauf, um ihren gefiederten Lieblingen die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen.

Die schönste Zeit des Jahres …
Für viele Menschen gehört der jährliche Urlaub dazu. Wer Tiere hat, muss sich beizeiten um eine adäquate Betreuung kümmern. Je größer der Schwarm umso schwieriger kann sich dies gestalten. Auch im Krankheitsfall ist eine Betreuung unerlässlich, daher ist es gut, wenn man sich direkt bei der Anschaffung der Tiere nach geeigneten Möglichkeiten erkundigt und vorsorgt.

Dafür kennt man ihn …
Der zahme Hansi, der sprechende Bubi, der muntere Kinderkumpel Peter. Bei diesen Worten hat jeder sofort die entsprechenden Bilder im Kopf. Bilder, die die Wellensittichhaltung der letzten Jahrzehnte geprägt haben. Bilder, die jedoch falscher nicht sein könnten.
Ob ein Vogel zahm wird oder nicht, hängt von der Geduld des Halters und dem Charakter des Wellensittichs ab. Wellensittiche sind keine Schmusetiere. Wer Körperkontakt zu seinem Tier braucht, sollte sich einen Hund anschaffen. Wellensittiche brauchen artgleiche Partner, und wer mit viel Einfühlungsvermögen mit den Vögeln umgeht, kann akzeptiertes Schwarmmitglied werden und wird durch mehr oder weniger ausgeprägte Vertrauensbeweise seiner Vögel große Glücksmomente erleben.
Sprechen ist ein Kontaktversuch des Tieres zu einem Menschen. Der Kontakt zu Artgenossen und die Kommunikation im Schwarm sind für einen Wellensittich essenziell. Die Fähigkeit neue Laute zu erlernen ist genetisch verankert und für die Partnersuche und die Sozialkontakte absolut notwendig. Ein so geselliges Tier wie der Wellensittich bildet in Ermangelung einer artgerechten Kommunikationsmöglichkeit die Fähigkeit zum Sprechen aus. Dabei ahmt er – seinem genetischen Programm entsprechend – Laute nach. Dies ist Ausdruck höchster Not, Einsamkeit und Fehlprägung – Ausdruck einer nicht artgerechten Haltung, die dem Wohl des Tieres nicht zuträglich ist. Denn alle Kontaktversuche, die eigentlich der Fortpflanzung oder dem Überleben dienen, bleiben ungehört und unbeantwortet – wie frustrierend für das Tier.


Ein liebevoller, verantwortungsvoller Halter erfreut sich an einem schmusenden Paar, das mit weiteren Freunden durch ein großes Zimmer fliegen kann, auf Kletterbäumen Unfug treibt und in einem Büschel Möhrengrün ausgiebig badet. So kennt der echte Welliliebhaber seine Tiere und genau dafür liebt er sie.

Aktive Hilfestellungen zu Fragen rund um die artgerechte Haltung und Unterbringung leistet der VWFD, der Verein der Wellensittich-Freunde Deutschland e. V. -> http://www.vwfd.de/
Hier können Sie sich weitere, detaillierte Informationen einholen und werden kompetent beraten.


Ähnliche Artikel:

  1. Wellensittiche sind pflegeleichte Haustiere
  2. Es ist angerichtet: Vogelfutterstationen im Winter
  3. Meerschweinchen als Haustiere
Dieser Beitrag wurde unter Hobby & Spiel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>