Mittagsschlaf – unterschätzter Muntermacher

Viele würden ihn sich gern öfter gönnen, doch fürchten sie, als Faulpelz in Verruf zu geraten. Dabei ist der Mittagsschlaf ein gutes, gesundes Mittel, um Körper und Geist auf natürliche Weise neue Energie zuzuführen. Wer zur Tageshalbzeit eine Auszeit nimmt und ein Nickerchen hält, hat die Wissenschaft auf seiner Seite: Schlafforscher haben längst herausgefunden, dass es unserem normalen Biorhythmus entspricht, nicht nur nachts zu schlafen, sondern auch mittags zu schlummern.

Wie so oft im Leben, kommt es allerdings auch beim Mittagsschlaf auf das richtige Maß an. Es geht nicht um ein komplettes Ausklinken für Stunden. Das wäre sogar kontraproduktiv. Denn wird erst eine Tiefschlafphase erreicht, dauern danach Erwachen und Aufrappeln zu lange, um schnell spürbar frischen Schwung aufzubringen. Der soll schließlich durch den Schlaf zwischendurch erzielt werden. Wichtig ist also, eine wohldosierte Mütze voll Schlaf zu nehmen, um nicht hinterher als sprichwörtliche Schlafmütze umherzutaumeln.

Experten raten, mittags nicht länger als 20 Minuten zu ruhen, maximal eine halbe Stunde. Geübte Kurzschläfer sollen sogar von nur zehn Minuten Powernapping profitieren. Dieser englische Begriff trägt schon in sich, was im Idealfall bewirkt wird: Power aufzutanken für alles, was der Tag noch bringen mag. Für die Forscher steht fest, dass ein zeitlich befristeter Schlummer der körperlichen, geistigen und seelischen Erholung dient. Stress wird abgebaut, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nehmen wieder zu. Von einem Muntermacher und “natürlichen Doping” ist auch die Rede. Angeblich kann eine regelmäßige Mittagsruhe außerdem dazu beitragen, das Herzinfarktrisiko zu senken.

So empfehlenswert eine begrenzte regenerative Pause außerhalb der Hauptschlafenszeit auch sein mag – allgemein akzeptiert ist sie nicht oder besser: nicht mehr und nicht überall. Auch in hiesigen Breiten frönten frühere Generationen dem Nickerchen noch guten Gewissens. Obwohl unsere innere Uhr immer noch auf den Zwischenstopp programmiert ist, läuft der passionierte Mittagsschläfer heute Gefahr, als “Schlaffi” abgestempelt zu werden; unfähig und zu faul, das Tagespensum in einem Rutsch zu bewältigen.

Dabei sind es gerade als besonders fleißig geltende Völker, die die Kultur des kraftspendenden Kurzschlafs nach wie vor pflegen. In China wird dem “Wujiao” sogar der Wert eines Grundrechts zugewiesen, und öffentlich ein Nickerchen zu machen, ist normal und nicht verwerflich. Die japanische Leistungsgesellschaft propagiert den Powernap auf verschiedene Weise. Es gibt Firmen, in denen der “Inomuri” vorgeschrieben ist: Büroschlaf-Pflicht. Als Rückzugsort für die Ruhepause bieten sich auch Relax-Center” und “Nap-Shops” an. In südlichen Ländern ist vielen die Siesta heilig, nicht nur, um der Hitze zu entfliehen.

Das Mittagessen ist übrigens nicht die Grundursache der Mittagsmüdigkeit. Eine üppige Mahlzeit kann das Schlafbedürfnis aber steigern. Man sollte ihm möglichst nachgeben.

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